Print-Portrait: Hanna Klein

Erläuterung zum Beitrag
Das Jahr 2012 hatte erst begonnen, doch sämtliche Profisportler steckten mitten in den Vorbereitungen für die Olympischen Sommerspiele in London. Im Rahmen einer Studienarbeit hatte ich das Glück, mich mit der Mountainbikerin Hanna Klein treffen zu können. Das Ergebnis war ein Portrait, dass die junge Athletin nicht nur von ihrer sportlichen Seite zeigt.

Einfach Hanna

Die Verbindung von Sport und Studium ist für Hanna Klein nur ein Trail, auf dem es die Balance zu halten gilt – und in weniger flowigen Passagen dämpfen Motivation und Bodenständigkeit.

„Ich liebe ja die Schweiz. Wir waren mit dem Team öfter im Engadin und es war immer herrlich“, sagt Hanna Klein mit einem Lächeln. Kurz darauf schenkt sich die deutsche Mountainbikerin ein Glas Rivella ein und erzählt von ihrer Kindheit. Das Reisen ist der Tochter zweier Musiker bereits in die Wiege gelegt worden. „Als kleines Mädchen habe ich einige Jahre in Norwegen und der Schweiz gelebt“, erinnert sich die gebürtige Calwerin.

Wenn es nach ihren Eltern ginge, wäre sie jetzt ebenfalls Musikerin geworden. Wenn es die Zeit zulässt spielt Hanna heute noch Geige. „Ich habe vier Geschwister und eine meiner Schwestern studiert heute Musik. Da ist der Plan meiner Eltern wenigstens bei einer von uns aufgegangen“, erzählt die heutige Top-Bikerin und fügt unmittelbar hinzu: „Als für mich klar war, dass ich Mountianbiken will, haben mich meine Eltern auch darin immer unterstützt“.

„Ich habe nie alles auf eine Karte gesetzt“

Um mit ihrer Profikarriere durchstarten zu können, ist die 24-Jährige ins Baden-Württembergische Freiburg gezogen. Hier studiert sie neben dem Biken auch an der Universität. „Eine Sonderbehandlung gibt es für mich aber nicht“, sagt Hanna. Die ersten Schuljahre hatte sie in Pforzheim auf einer Waldorfschule verbracht. Doch immer häufigere Trainingslager ließen sich mit dem Schulalltag bald kaum noch vereinbaren. In Freiburg dagegen gibt es Partnerschulen des Olympischen Sportbundes. „Hier durfte ich so oft fehlen wie ich wollte“ erklärt Hanna. „Solange die Noten stimmten, war alles in Ordnung“.

Dennoch wollte sie ihre Zukunftspläne nie auf eine Karte setzen. Nach dem Abitur entschied sich für ein Studium der Sportwissenschaften. „Besonders beim Mountainbiken ist das Verletzungsrisiko hoch“, erzählt Hanna. Bei diesen Worten werden Erinnerungen an die vergangene Saison wach, die für die junge Athletin in vielerlei Hinsicht eine schmerzliche Erfahrung war.

Mit Sonnenstrahlen gegen die eigenen Schwächen

„Du arbeitest lange Zeit auf die Teilnahme bei einem wichtigen Rennen hin und dann ist das ganze Training auf einen Schlag umsonst“, klagt Hanna. Zu Beginn der Saison stürzte Hanna und zog sich eine Verletzung an der Hand zu. Später kamen noch einige Erkrankungen hinzu und öfter auftretende Kreislaufprobleme – ausgelöst durch die enorme Hitze des letzten Sommers. „In Kanada war es ungewöhnlich heiß.Mir ist während des Rennens schwarz vor Augen geworden und ich bin ungebremst gegen einen Baum gefahren“, schildert sie ihren schlimmsten Unfall des vergangenen Jahres.

Den schwachen Kreislauf hat sie in den letzten zwei Wochen mit einer Überdosis Sonnenstrahlen therapiert. Erst vor wenigen Tagen ist sie vom Trainingslager aus Südafrika zurückgekehrt. „Ich hoffe, dass sich mein Kreislauf an die Hitze gewöhnt hat. Das Wetter lässt sich ja nicht ändern“, scherzt Hanna.

Die regelmäßigen Reisen stimmen die deutsche Vorzeigeathletin aber auch nachdenklich. „Irgendwann verliert man die Relation, dass man im Hotel wohnt und Flüge bezahlt bekommt. Man schätzt es mit der Zeit schon noch, aber es ist nicht mehr so wie beim ersten Mal“. Für ihre Freundinnen will sie aber auch weiterhin „einfach Hanna“ bleiben. „Wenn meine Freundinnen von den sportlichen Erfolgen erfahren, können sie das oft nicht fassen“, erklärt Hanna. „Sie sagen dann oft – krass, das ist meine Hanna!“

Hanna will als Studentin wahrgenommen werden. Diesen Eindruck erweckt auch ihre Kleidung. Sie trägt eine blau-karierte Bluse, eine graue Strickjacke mit passendem Schal und ein paar schwarze Chucks. „Das Geld verfälscht vieles“ fährt Hanna fort. „Es ist schon deprimierend, wenn ein Fußballspieler in der 5. Liga so viel Geld mehr bekommt als ich in der Mountainbike-Elite. Wenn man schon am Anfang seiner Karriere so viel verdient, hebt man irgendwann ab“. Ein nicht ungerechtfertigter Vorwurf. Schließlich wird im Radsport genauso viel Zeit und Energie in Training und Wettkämpfe investiert wie im Fußball.

 Cyclepassion: die wohl schönsten Seiten des Radsports

Hanna Klein ist erfolgreich, weniger Reich aber dafür umso schöner. Das erkannten auch die Macher des in der Szene bekannten Cyclepassion-Kalenders. „Die Organisatorin, Anke Wilken, hat mich gefragt ob ich den Kalender kenne und Lust hätte dabei mitzumachen“, erläutert Hanna die Entstehung der Bilder. Für den Kalender 2012 haben sich neben Hanna Klein unter anderem Maja Wloszczowska und Liz Hatch in sexy Posen fotografieren lassen. „Am Anfang war ich skeptisch, aber als ich ein zweites Mal gefragt wurde, habe ich ja gesagt.“ Immerhin wird für den Kalender ja nicht jede Sportlerin gefragt.

Der Cyclepassion-Kalender ist auch eine super Möglichkeit daran zu erinnern, dass in jeder Sportlerin auch eine Frau steckt. Aber am besten ist es natürlich als Frau, als Sportlerin und als Mensch gesehen zu werden“, begründet Hanna das gewagte Shooting. Für die Aufnahmen ist Fotograf Daniel Geiger extra in die Tschechei gefahren, wo Hanna gerade für ein Rennen trainierte. An einem Ruhetag wurden die Bilder im Hotel gemacht. „Am Anfang kam ich mir so hilflos vor“, schildert Hanna die Situation vor der Kamera. „Aber Daniel hat mir dann genau gesagt was ich machen soll und wie ich gucken soll. Dann hat es echt Spaß gemacht“.

Spaß machen ihr sichtlich auch die Erfolge. 2005 wurde Hanna Vize-Weltmeisterin bei den Junioren, 2009 U23-Bundesliga-Gesamtsiegerin, 2009 und 2010 gewann sie die Bronzemedaille bei der deutschen Meisterschaft und ebenfalls 2010 fuhr sie bei der Baden-Württembergischen Meisterschaft ganz oben aufs Treppchen. Dieses Jahr sollten die Olympischen Spiele Hannas Terminkalender zieren. „Da ich letztes Jahr immer zu ungünstigen Zeiten krank war, konnte ich mich nicht qualifizieren. Um doch noch dabei sein zu können, muss ich in den kommenden Weltcuprennen schon ganz schön abgehen“, motiviert sich Hanna.

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