Outside storytelling

Outside storytelling ist ein journalistisches Konzept, das eine mobile und interaktive Form der Reiseberichterstattung ermöglichen soll. Hauptmerkmale sind Liveberichte und direkte Beteiligung des Lesers am Verlauf des Reiseberichts.

Im Oktober wird es einen ersten Test des hier vorgestellten Konzeptes geben. Folgt jetzt schon dem Projekt outside storytelling auf facebook.

Onlineredaktionen sind aus dem heutigen Mediengeschäft nicht mehr wegzudenken. Einige Experten sehen in ihnen die Zukunft des Journalismus. Immerhin bietet das Internet klare Vorteile im Gegensatz zum gedruckten Medium. Inhalte werden schneller zum Leser transportiert und Texte können mit unzähligen Fotos, Videos und Animationen angereichert werden.

Als 2010 die erste iPad-Generation den Markt eroberte, brach für Verlage eine neue Ära an. Schnell entdeckten Zeitungen und Magazine die neuen mobilen Endgeräte und entwickelten Apps, um ihre Inhalte auf den Bildschirm zu bringen. Seit Jahren wird der Leser immer mobiler und möchte sich zu jeder Zeit und an möglichst jedem Ort informieren.

Stärke des Onlinejournalismus nutzen

Ein Blick in viele Onlineredaktionen zeigt dagegen, dass Onlinejournalisten immer noch fest in Redaktionsbüros verwurzelt sind. Auch wenn journalistische Beiträge überall gelesen werden können, sitzen ihre Schöpfer vor dem Bildschirmarbeitsplatz. Gerade im Reisejournalismus geht so ein gewaltiges Potential verloren. Die größte Stärke des Internets, die hohe Geschwindigkeit der Informationsübermittlung, wird durch die momentan herrschende Arbeitsweise gebremst. Auch wenn der Journalist vor Ort recherchiert, entsteht der Beitrag erst am Ende der Reise.

Mit dem Konzept outside storytelling soll ein Weg gefunden werden Tablet-PCs und Smartphones in die mobile Berichterstattung zu integrieren. Die moderne Computertechnik ermöglicht es einer einzelnen Person, vollständige Beiträge, bestehend aus Text, Bild und Video-Elementen, zu erstellen. Da all diese Aufgaben mit nur einem Gerät bewältigt werden können, ist keine umfangreiche Ausrüstung nötig. Bei einer Rad- oder Trekkingtour ist der Materialmehraufwand somit leicht realisierbar.

Nicht länger am Leser vorbei berichten

Soziale Medien machen die Berichterstattung zu einem interaktiven Erlebnis. Der reisende Autor kann mit dem Leser kommunizieren und diesen bestimmen lassen, wohin die Reise gehen soll. Somit verfolgt der Leser die Reise kontinuierlich, da jene Sehenswürdigkeiten beschrieben werden, die ihn auch tatsächlich interessieren.

Online und Print kombinieren

Das beschriebene Online-Konzept lässt sich problemlos mit Printmagazinen kombinieren. Ein umfangreicher Vorbericht stellt die zu bereisende Region vor. Durch erste Eindrücke und Fotos wird der Leser neugierig gemacht. Abschließend werden die Erlebnisse in einem Nachbericht aufgearbeitet.

Die Schwierigkeit besteht nun darin, die Informationen so aufzuteilen, dass im Vorbericht nicht zu viel verraten wird und der Nachbericht nicht eine bloße Zusammenfassung des Webtagebuchs darstellt. Daher bedarf es guter Vorrecherche.

Was Verlage davon haben

Auch wenn Lehrbücher und Hochschulen gerne ein anderes Bild vermitteln möchten, geht es im modernen Redaktionsalltag nicht nur darum, geistig hochwertige Inhalte zu verbreiten. Im hart umkämpften Medienmarkt geht es vor allem um IVW-Zahlen und Umsatz. Insbesondere der Onlinejournalismus stellt sich seit Jahren die Frage nach der Finanzierbarkeit. Anzeigenerlöse bilden, wie im traditionellen Printgeschäft, eine nicht unerhebliche Einnahmequelle. Ein gut und vor allem regelmäßig besuchter Webauftritt ist ein gutes Argument für hohe Azeigenpreise.

Durch das Konzept soll es gelingen, den Leser über einen langen Zeitraum zu binden. Der TV-Markt hat dies bereits durch Castingshows und Sendungen wie „Ich bin ein Star holt mich hier raus“ erfolgreich umgesetzt. Inhalte, die aufeinander aufbauen und den Leser am Geschehen beteiligen, binden diesen ans Geschehen. Dieses Prinzip kann sich auch der Journalismus zunutze machen.

Das Ergebnis: Nutzer kehren regelmäßig (im Idealfall täglich) auf die Webseite zurück. Weiterhin rahmen die Vor- und Nachberichte im Print-Magazin die Reisegeschichte ein. Somit gewinnt der Verlag Onlinenutzer und Print-Leser gleichermaßen.