Online-Artikel: Webseitengestaltung

Erläuterung zum Beitrag
Dieser Beitrag zum Thema Webseitengestaltung ist im Rahmen einer Studienarbeit entstanden. Als Recherchegrundlage dienten verschiedene Fachbücher und Artikel zur Gestaltung von Internetseiten. Mit dem Artikel wollte ich dieses trockene Thema lebendiger gestalten. Ein kurzes Interview mit einem Online-Fachmann und lieben Kollegen rundet den Beitrag ab.


Von der Pike auf gestalten: Architektur journalistischer Webseiten

Virtueller Baumeister: Mit dem richtigen Handwerkszeug zum erfolgreichen Online-Auftritt

Virtueller Baumeister: Mit dem richtigen Handwerkszeug zum erfolgreichen Online-Auftritt (Foto: Benjamin Linsner)

Er gehört zum modernen Medienunternehmen wie die Überschrift zum Zeitungsartikel: Der Webauftritt poliert nicht nur das in die Jahre gekommene Image der Verlagsbranche auf, sondern kann auch richtigen Mehrwert bieten. Wenn Redaktionen wissen, mit ihm umzugehen. Hier finden Sie nützliche Tipps zur Konzeption journalistischer Webseiten.

Die Palette webbasierter Umsetzungsmöglichkeiten ist wie ein Baumarkt: Es finden sich zahlreiche Objekte, doch nur wer mit ihnen umzugehen vermag, wird ein erfolgreicher Baumeister.

Wichtige Fragen zur Grundkonzeption

Noch bevor eine URL registriert wird, müssen sich Medienmacher einige W-Fragen über den Internetauftritt stellen. Die nachfolgenden Fragen werden beispielhaft mit der Konzeption eines Medienmagazin beantwortet.

  • Wer soll angesprochen werden? Junge Medienmacher
  • Welchen Nutzwert hat der User? Anregungen für den Arbeitsalltag
  • Welcher Inhalt passt auf die Zielgruppe? Nutzwertgeschichten über Arbeitsmethoden und aktuelle Entwicklungen in der Medienbranche
  • Welche Feedback- und Kommunikationsmöglichkeiten gibt es? Kommentarfunktion, Anbindung an facebook und Twitter
  • Was gibt es bereits online, und wie unterscheidet sich das eigene Angebot davon (Alleinstellungsmerkmal)? diverse private Blogs von Journalisten, der Webauftritt der Zeitschrift „Werben und Verkaufen“.
    Alleinstellungsmerkmal: Fokus auf junge Medienschaffende und Berufseinsteiger

Flipchart und Papier: Mindmaps als Geburtshelfer der Webseite

Das Grundgerüst eines erfolgreichen Internetauftritts entsteht auf dem Papier bzw. der Flipchart. In Form einer Mindmap wird die Seitenstruktur mit allen Kategorien und statischen Seiten festgehalten. Es ist wichtig, dass sich das spätere Layout an der Seitenstruktur orientiert und nicht umgekehrt.

Weiterhin kann es helfen, Musterseiten mit einem Layoutprogramm zu erstellen. Diese Musterseiten dienen dem Webgestalter anschließend als Vorlage. Somit kann das Medienunternehmen Zeit und Kosten in der Planungsphase sparen.

Der wesentliche Unterschied zu Print-Inhalten ist, dass der Bildschirm dem Inhalt keine festen Ränder bietet. Daher muss der Nutzer umso stärker an die Hand genommen werden, um sich in der Struktur der Internetseite nicht zu verlaufen.

Dabei sind folgende Denkweisen besonders wichtig:

  1. Optisches Denken: Wohin sieht der Nutzer?
  2. Interaktives Denken: Was macht der Nutzer?

Hierarchisch oder Peer-to-Peer-Navigation? Die Mischung macht‘s

Peer-to-Peer-Navigation

Peer-to-Peer-Naviagtion: Alle Seiten sind gleichberechtigt.

Der Nutzer soll das Gefühl völliger Bewegungsfreiheit haben. Die Kunst ist es, den Nutzer dabei unbemerkt zu den wesentlichen Inhalten zu lotsen. Dazu bietet sich die Peer-to-Peer-Navigation an.

Grundvoraussetzung für eine Peer-to-Peer-Navigation ist, dass jede Seiten für sich selbst verständlich ist. Nur so kann ein Sprung von Seite zwei auf Seite fünf durchgeführt werden, ohne dass inhaltliche Lücken entstehen. Hierbei werden umfangreiche Anforderungen an Teaser und Lead gestellt. Sie müssen das Thema zusammenfassen und dem Leser auf jeder Seite wichtige Grundinformationen liefern.

Hierarchische Navigation: Die einzelnen Seiten bauen auf einander auf.

Hierarchische Navigation: Die einzelnen Seiten bauen aufeinander auf.

Eine andere Möglichkeit der Seiten-Fortbewegung ist die hierarchische Navigation. Dabei hängen die einzelnen Seiten zusammen, wie bei einer wissenschaftlichen Arbeit. Der Leser muss bei Punkt 1.1 beginnen um sich Schritt für Schritt zum letzen Punkt durcharbeiten zu können. Die hierarchische Navigation ist meistens wenig sinnvoll, da der Leser eines Onlinemediums in der Regel nur kurz auf den Seiten verweilt.

In der Regel kommt eine Mischung aus Peer-to-Peer-Navigation und hierarchischer Navigation zum Einsatz. Inhalte, die aufeinander aufbauen, können dabei, zum

Beispiel durch Unterseiten, klar gegliedert präsentiert werden. Dabei ist es wichtig, dass sowohl auf die vorhergehende Ebene, als auch auf die nachfolgende Ebene verwiesen wird. Ansonsten befindet sich der Leser in einer Sackgasse.

Interview: Webseitenpflege im journalistischen Alltag

Mario Steinheil, Redaktionsleiter bei der Motorpresse Stuttgart GmbH, verantwortet seit 5 Jahren die Onlineangebote des outdoorchannels. Er kennt die Fallstricke bei der Webseitengestaltung und erklärt, warum ein Internetauftritt nie genug Feedback-Kanäle haben kann.

1. Welche unverzeihliche Fehler treten bei der Gestaltung von journalistischen Webauftritten auf?

Es gibt drei  besonders schlimme Todsünden: 1. Unstrukturierierte Bleiwüsten und lange Scroll-Riemen mit tausenden von Fließtext-Zeichen. Sie widersprechen diametral den Nutzungsgewohnheiten der User. 2. Absolut tödlich: Content-Sackgassen, aus denen heraus der User nicht thematisch passend weitergeführt wird. 3. Vernachlässigte technische und redaktionelle SEO – für journalistische Webseiten sind Suchmaschinen der Kiosk schlechthin.

2. Kommentarfunktion und Socialmediaanbindung gehören zur modernen Webseite dazu. Aber, sind viele Feedbackmöglichkeiten auch immer gut?

Ein ganz klares Ja. Eine Webseite muss möglichst viele Feedback-Kanäle anbieten. 1. User sind es inzwischen gewohnt, sehr schnell und intuitiv zu agieren. 2. Interaktion hält den User auf der Seite und stärkt die Bindung. 3. Kanäle wie Facebook, Twitter und Google+ können einen relevanten Beitrag zu Reichweite und Traffic liefern. Aber Vorsicht: man sollte immer nur so viel anbieten, wie man auch redaktionell ordentlich betreuen kann.

3. Immer mehr Verlage gründen eigene Onlineredaktionen. Würde eine Verschmelzung von Print- und Onlineredakteuren nicht für eine optimale Abstimmung  von Print- und Onlinemedien sorgen?

Die organisatorische Struktur auf dem Papier ist zweitrangig. Im Vordergrund steht vor Allem die Kooperationsbereitschaft der Redaktionen. Leider gibt es immer noch Print-Redakteure und Chefredakteure, die glauben, auch noch das bisschen Online miterledigen zu können. Das zu glauben ist, ein schwerer Fehler. Die Aufbereitung ist derart anders, dass Online-Journalismus hohe Ansprüche an ganz spezifische Fähigkeiten und Kenntnisse stellt.

4. Wie lang ist die durchschnittliche Lebensdauer eines Webseiten-Designs?

Zwischen großen Relaunches liegen etwa zwei bis vier Jahre. Aber jeder Verlag tut daneben gut daran, permanent an seiner Seite zu arbeiten, sie an neue Bedürfnisse und neue Möglichkeiten im Rahmen eines permanenten Faceliftings anzupassen.

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