Forettle: Hintergründe der Beteiligten

Auf dieser Seite soll näher auf persönliche Beziehungen und Hintergründe der Protagonisten eingegangen werden. Wer „bussiert“ mit wem? Und wo verschmelzen politische und wirtschaftliche Interessen?

Bereits im mittelalterlichen Kaufbeuren zählten die Handels- und Gewerbetreibenden zu den Oberen der Stadt. Auch heute finden sich einige Gewerbetreibende im Stadtrat, zum Teil mit in der Altstadt ansässigen Unternehmen. Politiker und Wirtschaftsfunktionär. Lobbyismus par excellence?

 

Dr. Henrik Aldinger (Investor, Unternehmer)

Auf der Internetseite der Unternehmensgruppe Dr. Aldinger & Fischer könnte zukünftig auch Kaufbeuren gelistet sein. Screenshot: www.aldinger-fischer.de

Auf der Internetseite der Unternehmensgruppe Dr. Aldinger & Fischer könnte zukünftig auch Kaufbeuren gelistet sein. Screenshot: www.aldinger-fischer.de

Wer ist eigentlich der Investor, der 25.000 Euro in ein 10.000 Quadratmeter großes Einkaufsareal stecken möchte? In der Vergangenheit ist Dr. Henrik Aldinger bereits durch seine Beteiligung an mehreren Großprojekten in Erscheinung getreten – und hatte dabei nicht immer Erfolg.

Dr. Henrik Aldinger investiert mit der Unternehmensgruppe Dr. Aldinger & Fischer in verschiedene Großbauprojekte. Der Hauptsitz der Dr. Adliger & Fischer und Grundbesitz Vermarktungs GmbH liegt idyllisch am Schlachtensee in Berlin. An der Ecke „An der Rehwiese“ und der Spanischen Allee. Zum großen Wannsee ist es von dort nicht weit.

Das Unternehmen ist vielschichtig aufgebaut und beinhaltet diverse Beteiligungsgesellschaften. So ist die Dr. Aldinger und Fischer Beteiligungs GmbH alleiniger Aktionär der schwäbischen Wohnungs AG. Diese wiederum umfasst die Cloud No7 GmbH, welche einen Hotel- und Wohnkomplex in Stuttgart errichtet.

Das Projekt im Stuttgarter Europaviertel stand fünf Jahre in der Diskussion, bevor mit dem Bau der 18-Stöckigen Luxus-Anlage begonnen wurde. Der Komplex soll 170 Zimmer, 58 Luxuswohnungen und zwei Penthäuser mit je 500 Quadratmetern beinhalten. Bis heute steht die Fertigstellung von Cloud No7 aus.

Weitere Informationen zum Luxus-Projekt Cloud No7 finden sich in diesen Dokumenten der Börse Stuttgart.

„Größenwahn und Gigantomanie“

Bauprojekte dieses Ausmaßes sind für die Unternehmensgruppe Dr. Aldinger & Fischer nicht neu. Bereits 2010 wurde dem Investor in der Berliner Morgenpost „Größenwahn und Gigantomanie“ vorgeworfen. Damals ging es um den Bau eines Fachmarktzentrums im Potsdamer Drewitz-Park. In diesem Zusammenhang wurde Dr. Aldinger von Gegnern des Projekts vorgeworfen, er habe sich „politische Fürsprecher mit einer Spende gekauft“.

Diese Vorwürfe erhärteten sich einem Bericht der Potsdamer Neueste Nachrichten zufolge. Demnach habe Aldinger dem CDU-Ortsverband Drewitz bereits 2008 eine Spende über 1.000 Euro für den Kommunalwahlkampf zukommen lassen. Eine verzichtbare Summe für den Immobilien-Investor, immerhin beträgt das Investitionsvolumen der Unternehmensgruppe nach eigenen Angaben 2,1 Milliarden Euro. In einem weiteren Bericht der Potsdamer Neueste Nachrichten ist sogar von 2 Spenden á 1.000 Euro die Rede. In selbigem Bericht sagte Aldinger aus, Spenden seien nichts ungewöhnliches und er „schmiere keinen“. So habe Aldinger ebenso Spendengelder an die Berliner SPD und FDP gezahlt.

2009 kaufte Dr. Aldinger ein Waldgrundstück in Kirchsteigfeld (Potsdam), um daraus einen Gewerbe- und Handelsstandort zu machen. In der Bevölkerung bildete sich reger Widerstand gegen das Vorhaben, da das Grundstück ursprünglich als Erholungsgebiet ausgewiesen war. Drei Jahre später gewann Aldinger eine Unterlassungsklage, die der Kirchsteigfeld-Bürgerinitiative die Behauptung untersagt, Aldinger hätte Einsicht in Akten zum Verkauf des Waldstücks angeboten.

Aus dem vergangenen Jahr findet sich ebenfalls ein Bericht, über ein misslungenes Aldinger-Projekt. Im Brandenburgischen Falkensee wollte der Berliner Investor eine McDonald’s-Filiale und eine Tankstelle errichten. Der Hauptausschuss stellte sich 2013 gegen die Pläne der Stadtverwaltung und verhinderte so das Vorhaben.

Die Verbindung Dr. Aldinger – Dr. Ehlers

In einem Bericht des Kreisboten vom 22.06.2013, wird neben Herrn Dr. Aldinger ein gewisser Dr. Jochen Ehlers genannt.  Herr Dr. Ehlers ist Geschäftsführer der A&F Grundbesitz Kaufbeuren GmbH. Worauf der Autor nicht eingeht, ist die Tatsache, dass Herr Ehlers seit 2008 Mitglied der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe Dr. Aldinger & Fischer ist. Auf der anderen Seite ist Dr. Henrik Aldinger Geschäftsführer der A&F Grundbesitz Kaufbeuren GmbH.

Der Name A&F Grundbesitz Kaufbeuren GmbH darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Unternehmen in Berlin registriert ist (Handelsregister HRB115912B). Ebenfalls an der selben Adresse wie die zuvor genannte Unternehmensgruppe. Bei der A&F Grundbesitz Kaufbeuren GmbH handelt es sich um einen weiteren Baustein im Immobilien-Imperium des Dr. Aldinger.

Die GmbH besteht seit dem 4. April 2012 und befasst sich laut Handelsregister mit der „Vermittlung und Verwaltung von Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen für Dritte„. Im Kaufbeurer Stadtrat wurde das Thema Fachmarktzentrum jedoch erst im Juli 2012 näher diskutiert. Die A&F Grundbesitz Kaufbeuren GmbH wurde also bereits gegründet, bevor Aldinger die Zusage für das Bau-Projekt erhalten hatte. 

Sonstige Verbindungen

Zusammen mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stand Dr. Adliger 2007 auf der Gästeliste des „Liberty Award“ der Nichtraucher-Initiative „Forum Rauchfrei. 2010 war er Gast beim Neujahrsempfang der Berliner Morgenpost, an dem u.A. auch Guido Westerwelle (FDP) teilnahm.

 

Stefan Bosse (Oberbürgermeister, CSU)

Bosse hegt bereits seit Jahren den Wunsch, ein Großprojekt zu verwirklichen. Im Jahre 2010 setzte sich Bosse für ein Projekt ein, das in Kaufbeuren die „weltgrößte Christusstatue“ mit angrenzendem Pilgerhotel errichten wollte.

Ein Jahr später wollte der Oberbürgermeister einen Rundwanderweg um den Bärensee realisieren. Damals bezeichnete Bosse das Vorhaben als „politischen Willen„, übersah jedoch dabei den „Willen des Bürgers“. Gegen das Vorhaben formierten sich zahlreiche Bürger und Organisationen, darunter viele Umweltverbände.

Warum könnte sich Herr Bosse für das Fachmarktzentrum einsetzen?

Beide vergangenen Projekte wurden bis heute nie realisiert. Bosse sehnt sich danach, sich durch ein Großprojekt ein Denkmal zu setzen. Die Frage, in wie weit wirtschaftliche Interessen bzw. Absprachen mit der Wirtschaft das Projekt Forettle-Center beeinflussen, ist gegenwärtig noch offen. Die lokalen Medien scheinen in diese Richtung nicht zu recherchieren.

Lediglich in einem Interview des Kreisboten vom 23.07. (S. 9) wird Herr Bosse auf geheime Absprachen angesprochen. Er sagt aus, dass es „keine geheimen Absprachen“ gäbe. Diese Aussage kann jedoch nicht als manifest gesehen werden. Sollte es tatsächlich geheime Absprachen zwischen Politik und Wirtschaft geben, würde dies niemand öffentlich in einem Zeitungsinterview zugeben. Die Methodik dieses Interviews ist somit in Frage zu stellen und dessen Aussagen können nicht wertend in die Betrachtung einbezogen werden.

 

Joachim Joanni (Gastronom, Stadtrat, CSU)

Im Kreisbote vom 19.07.2014 findet sich auf Seite 2 ein Leserbrief eines Herrn Joachim Joanni. Wichtig ist hierbei, dass Joanni Gastronom ist und für die CSU im Stadtrat sitzt. Auf diese Fakten geht die Zeitung nicht ein. Herr Joanni beklagt die Absagen einiger Unternehmen und wirft die Frage auf, ob die Befürworter des Wohnungsprojektes sich für die Interessen des Unternehmens V-Markt einsetzen.

Nebenbei: Im Café Essbar (Kaiser-Max-Straße) lagen vor den Kommunalwahlen Bierdeckel der CSU aus, die für Herrn Joanni geworben haben. Hier hat der Gastronom selbst ein Café als einen öffentlich gut besuchten Platz benutzt, um für seine politische Karriere zu werben. Hier sind Eigeninteressen im Spiel.

Warum könnte sich Herr Joanni für das Fachmarktzentrum einsetzen?

Das Fachmarktzentrum bietet die Möglichkeit, neben diversen Einzelhandelsunternehmen auch Gastronomie anzusiedeln. Als Mitglied des Stadtrates kann der Gastronom seine Chancen, ein weiteres Geschäft eröffnen zu können, beeinflussen.

 

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